Wie genau ist die Schätzung?
Sie ist so gut wie die veröffentlichten Durchschnittswerte, auf denen sie beruht, und diese sind mit großer Unsicherheit verbunden. Das tatsächliche Risiko hängt von Dingen ab, die der Rechner nicht sehen kann, etwa der genauen Viruslast der anderen Person. Nutzen Sie die Schätzung, um einzuschätzen, wie dringend Sie handeln sollten. Nur ein Test sagt Ihnen, ob Sie HIV haben.
Ich hatte in den letzten Tagen einen möglichen Risikokontakt. Was soll ich tun?
Wenn es weniger als 72 Stunden her ist, gehen Sie noch heute in eine Notaufnahme, eine Notfallpraxis oder eine Praxis für sexuelle Gesundheit und fragen Sie nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Dort wird man Ihnen sagen, ob Sie eine brauchen. Sie wirkt umso besser, je früher sie beginnt, am besten innerhalb von 24 Stunden. Warten Sie nicht auf einen Test: So früh kann kein Test eine frische Infektion erkennen.
Kann man sich beim Oralverkehr mit HIV anstecken?
Das ist möglich, aber selten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC stuft das Risiko als niedrig ein. Ein Samenerguss im Mund bei Geschwüren im Mund, blutendem Zahnfleisch oder wunden Stellen an den Genitalien kann es etwas erhöhen, ebenso andere sexuell übertragbare Infektionen.
Kann ich mich durch Küssen, Speichel oder eine Toilettenbrille mit HIV anstecken?
Nein. HIV wird nicht über Speichel, Schweiß, Tränen, Küssen, gemeinsames Essen oder Trinken, Toiletten oder Insektenstiche übertragen. Dafür müssen Blut, Sperma, Lusttropfen, Darmsekret, Vaginalflüssigkeit oder Muttermilch in die Blutbahn oder über eine Schleimhaut in den Körper gelangen.
Beeinflusst die ethnische Herkunft das HIV-Risiko?
Biologisch nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass HIV beim Sex oder über Blut übertragen wird, ist für alle Menschen gleich. Unterschiedlich ist, wie verbreitet HIV in verschiedenen Communitys ist, aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen. Das verändert die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person mit unbekanntem HIV-Status HIV hat. Wo es offizielle Zahlen gibt (derzeit in Großbritannien und den USA), können Sie deshalb ihre Community angeben.
Was ist das diagnostische Fenster?
Die Zeit zwischen einer Infektion und dem Zeitpunkt, ab dem ein Test sie zuverlässig erkennen kann. Bei einem NAT (Nukleinsäuretest) sind es 10 bis 33 Tage, bei einem Antigen-Antikörper-Labortest (Blut aus der Vene) 18 bis 45 Tage. Bei einem Antigen-Antikörper-Schnelltest (Blut aus der Fingerkuppe) sind es 18 bis 90 Tage und bei einem Antikörpertest, zu dem die meisten Schnelltests und HIV-Selbsttests gehören, 23 bis 90 Tage. Ein negatives Ergebnis ist erst aussagekräftig, wenn das Fenster vorbei ist.
Wann kann ich mich auf ein negatives Ergebnis verlassen?
Ein negatives Ergebnis schließt eine HIV-Infektion durch diesen Kontakt aus, wenn es ein NAT nach 33 Tagen, ein Antigen-Antikörper-Labortest (Blut aus der Vene) nach 45 Tagen oder ein beliebiger HIV-Test nach 90 Tagen ist. Das setzt voraus, dass es keine neueren Risikokontakte gab. Wenn Sie eine PEP genommen haben, empfehlen die CDC Tests 4 bis 6 Wochen und 12 Wochen nach dem Kontakt. Halten Sie sich also an den Plan Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Funktionieren HIV-Selbsttests?
Ja, zugelassene Selbsttests sind genau. Die meisten sind aber Antikörpertests und daher erst 90 Tage nach einem Risikokontakt aussagekräftig. Ein positiver Selbsttest muss immer mit einem Labortest bestätigt werden.
Was bedeutet N=N (U=U)?
Nicht nachweisbar = nicht übertragbar (N=N, international U=U). Ein Mensch mit HIV, der eine Behandlung nimmt und dessen Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt (unter 200 Kopien/ml), gibt HIV beim Sex nicht weiter. Das belegen große Studien mit Paaren. Für gemeinsam benutzte Spritzen ist das nicht belegt.
Kann ich mich trotz PrEP mit HIV infizieren?
Das ist sehr unwahrscheinlich, wenn Sie die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) wie verordnet nehmen. Sie senkt das Risiko beim Analverkehr um etwa 99 % und beim Vaginalverkehr um etwa 90 %. Der Schutz lässt nach, wenn Sie Dosen vergessen, und er braucht nach dem Beginn etwas Zeit, um sich aufzubauen. Gehen Sie weiter zu den regelmäßigen HIV-Tests, die zur PrEP gehören.
Ich habe Symptome. Heißt das, dass ich HIV habe?
Nicht unbedingt. Eine frische HIV-Infektion kann Fieber, Ausschlag, Halsschmerzen oder geschwollene Lymphknoten verursachen, aber das können auch viele häufige Infekte, und viele Menschen mit HIV haben gar keine Symptome. Auch Angst kann echte körperliche Beschwerden auslösen. Wenn Sie sich Sorgen machen, lassen Sie einen Test machen, der eine frühe Infektion erkennen kann.
Meine Schätzung ist sehr niedrig. Sollte ich mich trotzdem testen lassen?
Ja, das ist eine gute Idee. Ein Test geht schnell, ist oft kostenlos und der einzige Weg zur Gewissheit. Die CDC empfehlen außerdem, dass sich alle Menschen zwischen 13 und 64 mindestens einmal auf HIV testen lassen.
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