Zwei Dinge müssen zutreffen
Damit bei einem Kontakt HIV übertragen wird, muss die andere Person HIV haben, und das Virus muss von ihr in Ihre Blutbahn gelangen. Beides ist eine Wahrscheinlichkeit, und Ihr Gesamtrisiko ist ungefähr das eine mal das andere. Deshalb kann dieselbe Handlung ein sehr unterschiedliches Risiko haben, je nachdem, mit wem sie stattfand.
Ist der HIV-Status einer Person unbekannt, ist die erste Wahrscheinlichkeit meist klein. In den meisten Ländern hat nur ein kleiner Teil der Erwachsenen HIV; siehe HIV-Prävalenz nach Ländern. Selbst in den Ländern mit der höchsten Prävalenz haben die meisten Menschen kein HIV.
Das Risiko wird pro Kontakt gezählt
Die Zahlen, die Sie sehen werden, etwa 1,4 % für aufnehmenden Analverkehr mit einer Person, die HIV hat und nicht behandelt wird, sind Durchschnittswerte pro Kontakt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC stützt sie auf viele Studien. Sie bedeuten, dass es im Durchschnitt bei etwa 1 von 72 solcher Kontakte zu einer Übertragung kommt. Das ist kein Countdown: Es kann beim ersten Mal passieren oder auch bei vielen Begegnungen gar nicht.
Wiederholte Kontakte summieren sich, aber nicht durch einfache Multiplikation. Zehn solche Kontakte haben nicht das Zehnfache des Risikos eines einzelnen. Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist etwas geringer, 13 % (etwa 1 von 8), weil jeder Kontakt eine eigene Chance ist. Der Rechner übernimmt diese Rechnung für Sie.
Was das Risiko erhöht
- Die Art des Kontakts. Aufnehmender Analverkehr hat das höchste Risiko beim Sex, weil die Schleimhaut des Enddarms dünn und leicht verletzlich ist. Beim Teilen von Spritzbesteck gelangt Blut direkt in die Blutbahn.
- Eine hohe Viruslast. Die Menge an Virus im Blut einer Person ist ein wichtiger Faktor. Sie ist in den ersten Wochen nach der Infektion am höchsten, oft bevor die Person weiß, dass sie HIV hat.
- Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Herpes können Entzündungen oder wunde Stellen verursachen, durch die HIV leichter eindringt. Sie verdoppeln das Risiko ungefähr.
- Wiederholung. Mehr Kontakte bedeuten mehr Gelegenheiten.
Was das Risiko senkt, manchmal auf null
- Behandlung. Ein Mensch mit HIV, dessen Viruslast unter der Behandlung dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, gibt HIV beim Sex nicht weiter. Darauf beruht N=N (nicht nachweisbar = nicht übertragbar, international U=U).
- Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Wie verordnet eingenommen, senkt die PrEP das Risiko, sich beim Sex mit HIV zu infizieren, beim Analverkehr um etwa 99 % und beim Vaginalverkehr um etwa 90 %.
- Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Beginnt sie innerhalb von 72 Stunden nach einem Kontakt, kann die PEP verhindern, dass sich eine Infektion festsetzt.
- Kondome. Richtig und jedes Mal benutzt, sind Kondome sehr wirksam. Schätzungen aus dem Alltag von etwa 80 % Schutz berücksichtigen schon gelegentliches Abrutschen und Reißen.
- Beschneidung. Senkt das Risiko eines Mannes, sich beim Vaginalverkehr mit HIV zu infizieren, um etwa 50 %.
Kontakte ohne Risiko
HIV überlebt außerhalb des Körpers schlecht und wird im Alltag nicht übertragen. Sie können sich nicht mit HIV anstecken durch:
- Küssen, Umarmen oder Händeschütteln
- Speichel, Schweiß oder Tränen
- Gemeinsam benutzte Tassen, Besteck, Essen oder Toiletten
- Mücken oder andere Insekten
- Berühren unverletzter Haut, selbst wenn Blut darauf ist
Was Sie mit Ihrer Zahl anfangen
Nutzen Sie sie, um zu entscheiden, wie dringend Sie handeln sollten, nicht, um sich selbst eine Diagnose zu stellen. Eine hohe Schätzung innerhalb von 72 Stunden heißt: jetzt eine PEP holen. Eine niedrige Schätzung ist beruhigend, aber nur ein Test gibt Ihnen Gewissheit. Der Rechner zeigt Ihnen, ab wann ein negatives Ergebnis bei jeder Testart aussagekräftig ist.
Risikokontakt in den letzten 72 Stunden? Warten Sie nicht auf Symptome oder Testergebnisse. Gehen Sie in eine Notaufnahme, eine Notfallpraxis oder eine Praxis für sexuelle Gesundheit und fragen Sie nach einer PEP. Mehr zur PEP