Prävalenz und Risiko pro Kontakt sind zwei verschiedene Zahlen
Zwei Zahlen bestimmen Ihr Risiko bei einer einzelnen sexuellen Begegnung mit jemandem, dessen HIV-Status Sie nicht kennen:
- Prävalenz: der Anteil der Erwachsenen an einem Ort, die HIV haben. Die Zahlen hier sind Schätzungen von UNAIDS für Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren. Für einige Länder ohne eine solche Schätzung, etwa die USA, verwendet der Rechner ungefähre nationale Zahlen.
- Risiko pro Kontakt: die Wahrscheinlichkeit, dass HIV bei einem Kontakt übertragen wird, wenn die andere Person tatsächlich HIV hat und nicht wirksam behandelt wird. Für eindringenden Vaginalverkehr schätzt die US-Gesundheitsbehörde CDC diesen Wert auf 0,04 % (etwa 1 von 2.500).
Ihr Gesamtrisiko ist ungefähr die erste Zahl multipliziert mit der zweiten. Deshalb sind die Zahlen in den Tabellen unten so viel kleiner als die Risiken pro Kontakt, von denen Sie vielleicht anderswo gelesen haben.
Behandlung verändert das Bild
Eine Person mit HIV, deren Viruslast unter Behandlung dauerhaft unter der Nachweisgrenze bleibt, gibt HIV beim Sex nicht weiter. Das ist als nicht nachweisbar = nicht übertragbar bekannt (N=N, international U=U). Entscheidend ist also nicht nur, wie viele Menschen HIV haben, sondern wie viele von ihnen in Behandlung sind und eine dauerhaft unterdrückte Viruslast haben.
Weltweit lebten laut der Weltgesundheitsorganisation WHO Ende 2025 etwa 41,0 Millionen Menschen mit HIV. Von ihnen kannten 88 % ihren Status, 89 % davon waren in Behandlung, und bei 95 % der Behandelten war die Viruslast unterdrückt. Die Behandlungsabdeckung unterscheidet sich stark zwischen den Ländern, und die Tabellen berücksichtigen die Abdeckung des jeweiligen Landes.
Risiko bei einem einzelnen Kontakt mit einer Person mit unbekanntem Status
Jede Tabelle zeigt das geschätzte Risiko eines einzelnen eindringenden Vaginalverkehrs ohne Kondom (ein Mann mit einer Frau) mit einer Person, deren HIV-Status unbekannt ist, auf Grundlage der Prävalenz- und Behandlungsdaten des jeweiligen Landes.
Amerika
| Land | Risiko pro Kontakt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | <0,0001 % | 1 von 1.500.000 |
| Kanada | <0,0001 % | 1 von 16.000.000 |
| Mexiko | <0,0001 % | 1 von 3.600.000 |
| Brasilien | <0,0001 % | 1 von 1.700.000 |
| Argentinien | <0,0001 % | 1 von 3.300.000 |
| Kolumbien | <0,0001 % | 1 von 3.000.000 |
| Jamaika | 0,00021 % | 1 von 470.000 |
| Haiti | 0,00015 % | 1 von 660.000 |
Europa
| Land | Risiko pro Kontakt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | <0,0001 % | 1 von 15.000.000 |
| Irland | <0,0001 % | 1 von 22.000.000 |
| Frankreich | <0,0001 % | 1 von 8.000.000 |
| Deutschland | <0,0001 % | 1 von 23.000.000 |
| Spanien | <0,0001 % | 1 von 15.000.000 |
| Italien | <0,0001 % | 1 von 8.000.000 |
| Niederlande | <0,0001 % | 1 von 39.000.000 |
| Portugal | <0,0001 % | 1 von 3.600.000 |
| Polen | <0,0001 % | 1 von 2.500.000 |
| Ukraine | 0,0004 % | 1 von 250.000 |
| Russland | 0,00048 % | 1 von 210.000 |
Asien und Pazifik
| Land | Risiko pro Kontakt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Indien | <0,0001 % | 1 von 4.200.000 |
| China | <0,0001 % | 1 von 2.500.000 |
| Japan | <0,0001 % | 1 von 12.000.000 |
| Thailand | <0,0001 % | 1 von 1.700.000 |
| Vietnam | <0,0001 % | 1 von 3.500.000 |
| Philippinen | <0,0001 % | 1 von 9.300.000 |
| Indonesien | <0,0001 % | 1 von 1.500.000 |
| Pakistan | <0,0001 % | 1 von 4.200.000 |
| Australien | <0,0001 % | 1 von 50.000.000 |
Afrika und Naher Osten
| Land | Risiko pro Kontakt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Ägypten | <0,0001 % | 1 von 12.000.000 |
| Marokko | <0,0001 % | 1 von 11.000.000 |
| Nigeria | 0,00014 % | 1 von 710.000 |
| Ghana | 0,00047 % | 1 von 210.000 |
| Kamerun | 0,00024 % | 1 von 420.000 |
| Äthiopien | <0,0001 % | 1 von 1.500.000 |
| Kenia | 0,0003 % | 1 von 330.000 |
| Uganda | 0,00052 % | 1 von 190.000 |
| Tansania | 0,00035 % | 1 von 280.000 |
| Mosambik | 0,0014 % | 1 von 70.000 |
| Simbabwe | 0,00055 % | 1 von 180.000 |
| Südafrika | 0,0023 % | 1 von 44.000 |
| Botsuana | 0,00091 % | 1 von 110.000 |
| Eswatini | 0,0014 % | 1 von 69.000 |
Regionale Durchschnittswerte
| Land | Risiko pro Kontakt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Weltdurchschnitt | <0,0001 % | 1 von 1.200.000 |
| Afrika südlich der Sahara | 0,00035 % | 1 von 280.000 |
| Östliches und südliches Afrika | 0,00046 % | 1 von 220.000 |
| West- und Zentralafrika | 0,00018 % | 1 von 570.000 |
| Lateinamerika und Karibik | <0,0001 % | 1 von 1.300.000 |
| Südasien | <0,0001 % | 1 von 5.300.000 |
| Naher Osten und Nordafrika | <0,0001 % | 1 von 4.300.000 |
Bei aufnehmendem Vaginalverkehr (eine Frau mit einem Mann) ist das Risiko pro Kontakt höher. In den USA zum Beispiel liegt die Schätzung bei einem Partner mit unbekanntem Status bei 0,00014 % (etwa 1 von 730.000), in Südafrika bei 0,0023 % (etwa 1 von 44.000). Vollständige Tabellen für jede Art von Sex finden Sie auf der Seite Risikotabellen.
Wo HIV am häufigsten ist
Laut WHO leben 64 % der Menschen mit HIV in der WHO-Region Afrika. Am höchsten ist die Prävalenz im östlichen und südlichen Afrika, wo in einigen Ländern ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen HIV hat. In weiten Teilen Westeuropas, Ostasiens und des Nahen Ostens liegt sie deutlich unter einem Prozent.
Landeszahlen sind nur ein Ausgangspunkt
Ein Landesdurchschnitt verdeckt große Unterschiede. In manchen Städten, Communitys und sexuellen Netzwerken ist HIV häufiger als in anderen. Die CDC führen solche Unterschiede auf soziale Faktoren wie Armut, Stigmatisierung und ungleichen Zugang zur Gesundheitsversorgung zurück. UNAIDS schätzt, dass schwule und bisexuelle Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, ein etwa 23-fach höheres Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, und Menschen, die Drogen spritzen, ein etwa 14-fach höheres. Auch unter Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern sowie trans Frauen ist HIV weit häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
Für einen Mann, der in den USA aufnehmenden Analverkehr mit einem anderen Mann mit unbekanntem Status hat, liegt die Schätzung daher bei 0,05 % (etwa 1 von 2.000), also höher als die Werte für Vaginalverkehr oben. Im Rechner können Sie diese Angaben ergänzen, um eine genauere Schätzung zu erhalten.
Was die Zahlen nicht sagen können
Das sind Durchschnittswerte. Sie können nicht sagen, ob eine bestimmte Person HIV hat. Jeder Mensch kann HIV haben, ohne es zu wissen, besonders in den ersten Wochen nach der Infektion, wenn die Viruslast am höchsten ist. Eine niedrige Zahl ist beruhigend, aber nur ein Test gibt Ihnen eine sichere Antwort.
Was Sie jetzt tun können
- Risikokontakt in den letzten 72 Stunden, mit einer Person, die HIV hat oder deren Status Sie nicht kennen? Fragen Sie noch heute nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Sie muss innerhalb von 72 Stunden beginnen und wirkt am besten innerhalb von 24 Stunden. So bekommen Sie eine PEP
- Sie möchten eine sichere Antwort? Testen Sie nach Ablauf des diagnostischen Fensters. Die Seite Genauigkeit von HIV-Tests nach Wochen zeigt, ab wann ein negatives Ergebnis bei jedem Test aussagekräftig ist.
- Sie möchten eine Zahl für Ihre Situation? Der Rechner kombiniert das Land, die Art des Risikokontakts und jeden Schutz, den Sie verwendet haben.