Wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin HIV hat, täglich die Therapie nimmt und eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat, besteht beim Sex kein HIV-Risiko. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse in der HIV-Prävention, und sie wird von großen Studien sowie von der US-Gesundheitsbehörde CDC und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestützt.
Was „nicht nachweisbar“ bedeutet
Die Viruslast ist die Menge an HIV im Blut. HIV-Medikamente, die sogenannte antiretrovirale Therapie (ART), verhindern, dass sich das Virus vermehrt, sodass die Viruslast sinkt. Wenn sie so niedrig ist, dass ein Standardtest sie nicht messen kann, spricht man von „nicht nachweisbar“. Für N=N liegt die Grenze bei unter 200 Kopien pro Milliliter Blut.
Nicht nachweisbar heißt nicht, dass das Virus verschwunden ist. Es bedeutet, dass die Therapie es unter Kontrolle hält. Wenn jemand die Medikamente absetzt, kann die Viruslast wieder steigen, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, HIV weiterzugeben.
Die Belege
Forschende begleiteten Paare, bei denen eine Person HIV hatte und die andere nicht, und prüften, ob neue Infektionen von der Person unter Therapie stammten. In der PARTNER-Studie mit schwulen Paaren gaben 782 Paare an, 76.088-mal Analverkehr ohne Kondom gehabt zu haben, während die Viruslast des Partners mit HIV unterdrückt war. Innerhalb dieser Paare gab es keine einzige HIV-Übertragung. Die Autorinnen und Autoren kamen zu dem Schluss, dass das Risiko in dieser Situation praktisch null ist.
Die Auswertung der Studienlage durch die CDC stützt sich auf mehrere solche Paarstudien, und die WHO erklärt inzwischen, dass Menschen unter Therapie mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze HIV nicht auf ihre Sexualpartner und -partnerinnen übertragen.
Wie lange es dauert und wie es so bleibt
- Der Weg dorthin. Bis die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt, kann es bis zu sechs Monate Therapie dauern. Bis ein Test das bestätigt, verwenden Sie Kondome oder die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP, Medikamente zur HIV-Vorbeugung für die Person ohne HIV).
- Den Zustand halten. Eine Viruslast unter der Nachweisgrenze setzt voraus, dass die Therapie regelmäßig genommen wird. Die CDC empfehlen Viruslast-Tests alle 4 bis 6 Monate, damit Menschen mit HIV wissen, dass ihre Viruslast weiterhin nicht nachweisbar ist.
- Das Ergebnis Ihres Partners kennen. N=N beruht auf dem tatsächlichen, aktuellen Viruslast-Ergebnis der anderen Person, nicht auf Vermutungen. Wenn Sie unsicher sind, dürfen Sie ruhig nachfragen.
Zum Vergleich: Aufnehmender Analverkehr mit einem Partner, der HIV hat und nicht wirksam behandelt wird, birgt pro Kontakt eine geschätzte Wahrscheinlichkeit von 1,4 % (etwa 1 von 72) für eine HIV-Infektion. Bei einem Partner mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze entfällt das Risiko beim Sex.
Wo N=N gilt und wo nicht
- Sex. N=N gilt für Anal-, Vaginal- und Oralverkehr, mit oder ohne Kondom.
- Schwangerschaft und Geburt. Laut CDC verhindert eine Viruslast unter der Nachweisgrenze auch, dass HIV während der Schwangerschaft, der Wehen und der Entbindung auf das Baby übertragen wird.
- Stillen. Die Therapie senkt das Risiko sehr stark, aber laut CDC ist das Risiko beim Stillen nicht null. Eltern mit HIV sollten die Ernährung ihres Babys gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam planen.
- Gemeinsam benutzte Spritzen. Für das Teilen von Spritzbesteck ist N=N nicht belegt. Laut CDC senkt eine Viruslast unter der Nachweisgrenze das Risiko wahrscheinlich, aber wie stark, ist unbekannt. Verwenden Sie jedes Mal neues, steriles Spritzbesteck. Siehe HIV-Risiko durch gemeinsam benutzte Spritzen.
- Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). N=N betrifft nur HIV. Eine HIV-Therapie verhindert keine Chlamydien, Gonorrhö (Tripper), Syphilis oder andere Infektionen, deshalb bleiben Kondome und regelmäßige STI-Tests wichtig. Siehe HIV und STI.
Wenn Sie den HIV-Status der anderen Person nicht kennen
Wenn Sie nicht wissen, ob jemand HIV hat, hilft Ihnen N=N allein wenig weiter. Viele Menschen mit HIV sind in Therapie und haben eine unterdrückte Viruslast. Weltweit hatten laut UNAIDS im Jahr 2023 93 % der Menschen in Therapie eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Manche Menschen mit HIV wissen aber nicht, dass sie HIV haben, und andere sind noch nicht in Therapie. Der Rechner berücksichtigt das, wenn der Status Ihres Partners oder Ihrer Partnerin unbekannt ist.
Was Sie jetzt tun können
Wenn Sie in den letzten 72 Stunden Sex mit einer Person hatten, die HIV hat und nicht behandelt wird oder bei der Sie sich über die Viruslast nicht sicher sind, fragen Sie jetzt nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Die PEP muss innerhalb von 72 Stunden beginnen, am besten innerhalb von 24. Lesen Sie, wie Sie eine PEP bekommen.
- Die Viruslast Ihres Partners oder Ihrer Partnerin ist nicht nachweisbar, und die Ergebnisse sind aktuell. Sex mit dieser Person setzt Sie keinem HIV-Risiko aus. Regelmäßige HIV- und STI-Tests im Rahmen der üblichen Vorsorge können trotzdem sinnvoll sein.
- Sie sind sich bei der Viruslast nicht sicher. Sprechen Sie mit der Person und, wenn Sie besorgt sind, mit einer Ärztin oder einem Arzt. Wenn der Risikokontakt kürzlich war, warten Sie nicht mit der PEP.
- Sie möchten sich dauerhaft schützen, auch bei Partnern oder Partnerinnen mit unbekanntem Status. Die PrEP wirkt sehr gut. Lesen Sie mehr über PrEP und PEP.
- Sie möchten einen Test machen. In den USA finden Sie kostenlose Tests über gettested.cdc.gov; prüfen Sie außerdem, wann welcher Test zuverlässig ist.