Das Risiko pro Injektion mit geteiltem Besteck
Wenn Sie eine Nadel oder Spritze mit jemandem teilen, kann eine kleine Menge Blut der Person, die sie vorher benutzt hat, direkt in Ihre Vene gespritzt werden. Hat diese Person HIV und wird nicht wirksam behandelt, schätzt die US-Gesundheitsbehörde CDC das Risiko einer einzigen Injektion mit geteiltem Besteck auf 0,63 % (etwa 1 von 160). Das ist mehr als bei jeder Form von Sex außer aufnehmendem Analverkehr.
Wenn Sie häufig Besteck teilen, summiert sich das Risiko. Zehn Injektionen mit geteiltem Besteck mit einer Person, die HIV hat, ergeben zusammen ein Risiko von etwa 6,1 % (etwa 1 von 16).
Wenn Sie nicht wissen, ob die Person HIV hat, ist die Wahrscheinlichkeit dafür ein großer Teil der Rechnung. Unter Menschen, die Drogen spritzen, ist HIV häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. UNAIDS schätzt, dass Menschen, die Drogen spritzen, ein etwa 14-mal so hohes Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, wie Erwachsene insgesamt. Für eine Injektion mit geteiltem Besteck mit einer Person in den USA, die Drogen spritzt und deren Status Sie nicht kennen, liegt die Schätzung bei 0,034 % (etwa 1 von 3.000).
Es geht nicht nur um die Nadel
Die CDC weisen darauf hin, dass HIV und andere Infektionen über gemeinsam benutzte Spritzen und über gemeinsam benutztes Zubehör zum Aufbereiten der Drogen übertragen werden. Alles, was mit Blut oder der Drogenlösung in Berührung kommt, kann das Virus übertragen, deshalb ist es am sichersten, nichts davon zu teilen.
Auch Besteck, das vor Tagen oder Wochen benutzt wurde, ist nicht sicher. In Labortests wurde lebendes HIV aus Blut gewonnen, das in Spritzen zurückgeblieben war, die mehr als vier Wochen bei Raumtemperatur gelagert worden waren (Abdala 1999). Wie viel Virus überlebte, hing davon ab, wie viel Blut in der Spritze zurückgeblieben war.
Behandlung und N=N
Eine Person mit HIV, deren Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, gibt HIV beim Sex nicht weiter (nicht nachweisbar = nicht übertragbar, kurz N=N, international U=U). Dieser Schutz ist für das Teilen von Nadeln nicht belegt, verlassen Sie sich hier also nicht darauf.
Schadensminimierung: was Sie schützt
Verwenden Sie jedes Mal neues, steriles Spritzbesteck. Das ist der wirksamste einzelne Schritt. Spritzenprogramme (Syringe Services Programs, SSPs), auch Spritzentausch genannt, sind Angebote vor Ort, die sterile Spritzen und Spritzbesteck ausgeben und eine sichere Entsorgung ermöglichen. Viele bieten auch Impfungen, Tests und die Vermittlung in die Behandlung von Infektionskrankheiten und in eine Suchtbehandlung an. Die CDC beschreiben umfassende SSPs als sicher, wirksam und kostensparend und sagen, dass sie eine wichtige Rolle dabei spielen, HIV und Hepatitis zurückzudrängen.
Denken Sie über eine PrEP nach. Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) ist ein HIV-Medikament, das vor einem Risikokontakt genommen wird. Wie verordnet genommen, senkt sie das HIV-Risiko beim Drogenspritzen um mindestens 74 %. In einer Praxis erfahren Sie, welche Form der PrEP zu Ihnen passt. Mit regelmäßig genommener PrEP sinkt die Schätzung für eine Injektion mit geteiltem Besteck mit einer Person, die HIV hat, auf 0,16 % (etwa 1 von 610). Steriles Besteck bleibt auch mit PrEP wichtig, denn es schützt Sie zusätzlich vor anderen Infektionen, die beim Teilen übertragen werden, etwa vor Virushepatitis.
Lassen Sie sich regelmäßig testen. Wenn Sie Ihren Status kennen und die Menschen, mit denen Sie spritzen, ermutigen, ihren eigenen zu kennen, kann jede Person mit HIV eine Behandlung beginnen.
Hilfe bei Drogen- und Suchtproblemen gibt es, wenn Sie sie möchten. In den USA ist die kostenlose, vertrauliche National Helpline der SAMHSA 24 Stunden am Tag unter 1-800-662-HELP (4357) erreichbar und kann Sie an Behandlungsangebote vermitteln.
Was Sie jetzt tun können
In den letzten 72 Stunden eine Nadel oder Spritzbesteck geteilt? Fragen Sie noch heute in einer Notaufnahme, einer Notfallpraxis oder einer Praxis für sexuelle Gesundheit nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Die PEP wird 28 Tage lang täglich genommen und wirkt am besten, wenn sie innerhalb von 24 Stunden beginnt. Nach 72 Stunden wird sie nicht mehr empfohlen. So bekommen Sie eine PEP
- Wenn es mehr als 72 Stunden her ist, lassen Sie sich testen. Ein Antigen-Antikörper-Labortest (Blut aus der Vene) ist ab 45 Tagen nach dem Risikokontakt aussagekräftig. Siehe Genauigkeit von HIV-Tests nach Wochen.
- Wenn Sie regelmäßig spritzen, fragen Sie in einer Praxis oder bei einem Spritzenprogramm nach PrEP und danach, wo Sie in Ihrer Nähe steriles Spritzbesteck bekommen. Mehr unter PrEP und PEP.
- Wenn Sie schon oft Besteck geteilt haben, erklärt die Seite wiederholte Risikokontakte, wie sich das Risiko summiert und warum regelmäßige Tests helfen.