Jeder Kontakt zählt für sich
Werte pro Kontakt sind Durchschnittswerte. Mit einem Partner, der HIV hat und nicht behandelt wird, liegt die Schätzung für einmaligen aufnehmenden Vaginalverkehr bei 0,08 % (etwa 1 von 1.200). Bei Wiederholung kombinieren sich die Wahrscheinlichkeiten:
- 10 Kontakte: 0,8 % (etwa 1 von 130)
- 100 Kontakte: 7,7 % (etwa 1 von 13)
Bei aufnehmendem Analverkehr, der riskantesten Sexpraktik, ergibt sich mit demselben Partner 1,4 % (etwa 1 von 72) für einen Kontakt und 13 % (etwa 1 von 8) für zehn.
Die Summe liegt etwas unter dem Wert pro Kontakt mal der Zahl der Kontakte, weil jeder Kontakt eine eigene Wahrscheinlichkeit ist und eine Infektion nur einmal geschehen kann. Es ist auch kein Countdown: Eine Übertragung kann schon beim ersten Mal geschehen oder auch bei vielen Kontakten gar nicht.
Ein fester Partner oder wechselnde Partner
Wenn Sie den Status einer Person nicht kennen, gibt es zwei Fragen: Hat diese Person HIV, und wurde es übertragen? Wie beides zusammenwirkt, hängt davon ab, ob es um eine Person geht oder um viele.
Bei einem festen Partner oder einer festen Partnerin ist der Status entweder positiv oder negativ, und er ist jedes Mal derselbe. Hat die Person kein HIV, kann es auch bei noch so vielen Kontakten nicht übertragen werden. Das Risiko steigt deshalb zunächst, flacht dann ab und kann nie höher werden als die Wahrscheinlichkeit, dass diese eine Person HIV hat.
Bei wechselnden Partnern ist jede neue Person wie ein neues Los: eine weitere Möglichkeit, dass jemand HIV hat. Das Risiko steigt mit jeder neuen Person weiter.
Für einen Mann, der in den USA Vaginalverkehr ohne Kondom mit Frauen mit unbekanntem Status hat:
- Ein Kontakt: <0,0001 % (etwa 1 von 1.500.000)
- 100 Kontakte mit derselben Partnerin: 0,0067 % (etwa 1 von 15.000)
- 100 Kontakte mit verschiedenen Partnerinnen: 0,0069 % (etwa 1 von 15.000)
Und für einen Mann, der in den USA passiven Analverkehr ohne Kondom mit Männern mit unbekanntem Status hat:
- 10 Kontakte mit demselben Partner: 0,47 % (etwa 1 von 210)
- 10 Kontakte mit verschiedenen Partnern: 0,5 % (etwa 1 von 200)
Bei dieser Zahl von Kontakten liegen beide Werte nah beieinander, weil jeder Kontakt nur ein kleines Risiko birgt. Der Abstand wächst, je mehr Kontakte zusammenkommen.
Auch Kontakte mit sehr geringem Risiko summieren sich mit der Zeit. Oralverkehr mit einer Person, die HIV hat, kommt auf 0,5 % (etwa 1 von 200) bei 50 Kontakten.
Was sich mit der Zeit ändert
- Behandlung. Beginnt eine Partnerin oder ein Partner mit HIV eine Behandlung und bleibt die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze, wird HIV beim Sex nicht mehr weitergegeben. Bis die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt, kann es bis zu sechs Monate dauern. Siehe nicht nachweisbar = nicht übertragbar (N=N, international U=U).
- Eine neue Infektion. Steckt sich die feste Partnerin oder der feste Partner bei jemand anderem mit HIV an, ist die Viruslast in den ersten Wochen sehr hoch. Der Rechner erhöht die Schätzung bei einer kürzlich erfolgten Infektion der anderen Person um den Faktor 10.
- Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Sie erleichtern die Übertragung von HIV. Der Rechner multipliziert die Schätzung mit 2.
- Kondome und PrEP. Kondome senken das Risiko im Alltag um etwa 80 %. Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) senkt das Risiko beim Sex, wie verordnet eingenommen, um etwa 99 % bei Analverkehr und um etwa 90 % bei Vaginalverkehr. Zehn Kontakte mit aufnehmendem Analverkehr unter regelmäßiger PrEP mit einem Partner, der HIV hat: 0,14 % (etwa 1 von 730).
Was Sie jetzt tun sollten
Liegt der jüngste Risikokontakt weniger als 72 Stunden zurück? Eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) kann Sie vor diesem einen Kontakt noch schützen, auch wenn es davor schon andere gab. Fragen Sie in einer Notaufnahme, einer Notfallpraxis oder einer Praxis für sexuelle Gesundheit danach, am besten innerhalb von 24 Stunden. So bekommen Sie eine PEP
- Lassen Sie sich jetzt testen. Ein einziger Test kann alle Risikokontakte abdecken, die länger zurückliegen als das diagnostische Fenster. Ein Antigen-Antikörper-Labortest (Blut aus der Vene) liefert für alles, was mehr als 45 Tage zurückliegt, ein aussagekräftiges negatives Ergebnis.
- Testen Sie bei neueren Risikokontakten erneut. Wenn einige noch im diagnostischen Fenster lagen, testen Sie noch einmal, sobald es abgelaufen ist. Siehe Testgenauigkeit nach Wochen.
- Sprechen Sie mit Ihrer festen Partnerin oder Ihrem festen Partner über einen gemeinsamen Test. Wenn Sie beide Ihren Status kennen und wissen, ob die Viruslast einer Person mit HIV unter der Nachweisgrenze liegt, klärt das den größten Teil der Unsicherheit.
- Fragen Sie nach der PrEP, wenn Sie weitere Risikokontakte erwarten. Sie schützt bei allen, nicht nur bei einem. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt außerdem, sich mindestens einmal im Jahr testen zu lassen, wenn Sie seit Ihrem letzten Test mehr als eine Sexpartnerin oder einen Sexpartner hatten. Siehe unseren Ratgeber zum HIV-Test.