Warum HIV außerhalb des Körpers empfindlich ist

HIV ist ein Virus, das sich nur in menschlichen Zellen vervielfältigen kann. Sobald es den Körper verlässt, kann es sich nicht mehr vermehren, und die US-Gesundheitsbehörde CDC gibt an, dass es außerhalb des menschlichen Körpers, zum Beispiel auf Oberflächen, nicht lange überlebt.

Dass das Virus überlebt, reicht außerdem allein nicht für eine Infektion aus. Damit sich jemand mit HIV infiziert, muss Blut oder eine andere Flüssigkeit, die das Virus enthält, auf eine Schleimhaut (die Auskleidung von Augen, Mund, Vagina, Enddarm oder Penis) oder auf verletztes Gewebe gelangen oder direkt in die Blutbahn gespritzt werden. Wenn Sie etwas mit den Händen berühren, geschieht das nicht. Unverletzte Haut hält HIV ab.

Oberflächen und Alltagsgegenstände

Türklinken, Toilettensitze, Handtücher, Bettwäsche, Telefone, Tassen, Besteck, Fitnessgeräte und Geld sind kein Weg, sich mit HIV anzustecken. Selbst wenn eine Person mit HIV sie berührt hätte, gäbe es keinen Weg vom Gegenstand in Ihre Blutbahn.

Deshalb wird HIV nicht übertragen, wenn Sie mit einer Person, die HIV hat, eine Wohnung, ein Bad oder eine Küche teilen. Weitere Beispiele finden Sie auf der Seite Kontakte ohne Risiko.

Getrocknetes Blut

Getrocknetes Blut auf einer Oberfläche, auf Kleidung oder auf Ihrer Haut ist kein Weg, sich mit HIV anzustecken. HIV überlebt außerhalb des Körpers nicht lange, und wenn Sie getrocknetes Blut mit unverletzter Haut berühren, hat das Virus keinen Weg in den Körper. Waschen Sie es mit Wasser und Seife ab, damit ist die Sache erledigt.

Blut in einer Spritze: die Ausnahme

Bei einer gebrauchten Spritze ist das anders, denn eine kleine Menge Blut kann im Spritzenzylinder und in der Nadel zurückbleiben. In einer Laborstudie, die das gemeinsame Benutzen von Spritzen nachstellte, fanden Forschende lebendes, vermehrungsfähiges HIV in Spritzen, die mehr als vier Wochen bei Raumtemperatur gelagert worden waren (Abdala 1999). Wie oft das Virus überlebte, hing davon ab, wie viel Blut in der Spritze zurückgeblieben war und wie viel Virus dieses Blut enthielt.

Deshalb ist es mit einem echten Risiko verbunden, Nadeln, Spritzen oder anderes Spritzbesteck gemeinsam zu benutzen, selbst wenn das Besteck vor Tagen oder Wochen benutzt wurde. Hat die andere Person HIV und wird nicht behandelt, schätzen die CDC das Risiko pro Injektion mit gemeinsam benutztem Besteck auf 0,63 % (etwa 1 von 160). Wer jedes Mal neues, steriles Spritzbesteck verwendet, schließt dieses Risiko aus. Mehr dazu unter gemeinsam benutzte Spritzen.

Im öffentlichen Raum gefundene Nadeln

Dieselbe Studie ist ein Grund, eine Nadelstichverletzung durch eine weggeworfene Nadel ernst zu nehmen, auch wenn das Risiko insgesamt meist niedrig ist. Die Person, die sie benutzt hat, müsste HIV gehabt haben, und die Verletzung müsste ihr Blut in Ihren Körper bringen. Der Rechner kann hier nur einen groben Anhaltspunkt geben: Für eine Nadelstichverletzung durch eine Person mit unbekanntem Status in den USA schätzt er 0,00092 % (etwa 1 von 110.000). Waschen Sie die Wunde mit Wasser und Seife und holen Sie sich noch am selben Tag ärztlichen Rat. Alle Schritte finden Sie auf der Seite Nadelstichverletzung.

Blut in den Augen oder in einer frischen Schnittwunde

Wenn frisches Blut einer Person mit HIV in Ihre Augen, Ihren Mund oder eine offene Wunde gelangt, besteht ein kleines Risiko, geschätzt auf 0,09 % (etwa 1 von 1.100). Spülen Sie es sofort ab. Auf der Seite Kontakt mit Blut steht, wann Sie nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) fragen sollten.

Was nicht genau bekannt ist

Im Internet finden Sie genaue Angaben dazu, wie lange HIV unter verschiedenen Bedingungen überlebt. Laborergebnisse hängen von der Virusmenge, der Temperatur und der Aufbewahrung der Probe ab und lassen sich nicht einfach auf das Risiko im echten Leben übertragen. In der Praxis zählt etwas Einfacheres: Oberflächen und getrocknetes Blut sind kein Übertragungsweg für HIV, frisches Blut in einer gebrauchten Spritze kann es sein.

Was Sie jetzt tun können

  • Eine Oberfläche, getrocknetes Blut oder die Sachen einer anderen Person berührt? Sie müssen nichts tun. Deswegen brauchen Sie weder eine PEP noch einen Test.
  • In den letzten 72 Stunden an einer gebrauchten Nadel gestochen, Spritzbesteck geteilt oder frisches Blut in Augen, Mund oder eine offene Wunde bekommen? Fragen Sie noch heute nach einer Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Sie wirkt am besten innerhalb von 24 Stunden und wird nach 72 Stunden nicht mehr empfohlen. So bekommen Sie eine PEP
  • Immer noch besorgt? Ein Test nach dem diagnostischen Fenster gibt eine sichere Antwort. Siehe Ratgeber zu HIV-Tests.